Beerensträucher richtig düngen: Wann und womit Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren Nährstoffe brauchen

Beerensträucher reagieren empfindlich auf falsche Düngung: Zu wenig Nährstoffe führen zu schwachem Austrieb, kleinen Früchten und geringer Blütenanlage, zu viel – vor allem Stickstoff – fördert weiches, krankheitsanfälliges Wachstum und kann die Winterhärte senken. Gleichzeitig entscheidet nicht nur die Düngermenge, sondern auch die Form über den Erfolg. Organische Dünger wirken über die Bodenorganismen, setzen Nährstoffe zeitversetzt frei und verbessern bei richtiger Anwendung die Krümelstruktur, Wasserspeicherung und das Wurzelmilieu. In Hausgärten treffen zudem sehr unterschiedliche Voraussetzungen aufeinander: Sandboden mit schneller Auswaschung, schwere Lehmböden mit Staunässegefahr, mulmig-humose Beete oder Standorte, die regelmäßig gemulcht werden. Wer Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren dauerhaft ertragreich halten will, muss daher den Nährstoffbedarf nach Art und Entwicklungsphase einschätzen, den Bodenzustand berücksichtigen und typische Überdüngungsfehler vermeiden.

Grundlagen: Bodenleben, pH-Wert, Humus und Nährstofffreisetzung bei organischer Düngung

Organische Düngung versorgt Beerensträucher nicht „auf Knopfdruck“, sondern über biologische Prozesse. Nährstoffe stecken in organisch gebundenen Formen (Kompost, Mist, Hornprodukte, Pflanzenkohle-Komposte, Mulch) und werden erst pflanzenverfügbar, wenn Bodenorganismen sie umsetzen. Daraus ergibt sich ein anderes Timing als bei mineralischen Düngern: Entscheidend sind Bodentemperatur, Feuchte, Sauerstoffversorgung und ein aktives Bodenleben. Wo diese Faktoren passen, entstehen stabile Nährstoffflüsse, weniger Auswaschung und eine gleichmäßigere Versorgung über Wochen.

Bodenleben als „Motor“ der Nährstofffreisetzung

Bakterien, Pilze, Protozoen und Bodentiere zerkleinern organisches Material und mineralisieren Stickstoff, Phosphor und Schwefel. Gleichzeitig bauen sie Humus auf, der Nährstoffe puffert und Wasser speichert. Für Beerensträucher ist das besonders relevant, weil flachere Feinwurzelzonen und eine kontinuierliche Versorgung während Austrieb, Blüte und Fruchtentwicklung zählen. In kalten Frühjahren kann Hornmehl trotz ausreichender Gabe verzögert wirken; bei warm-feuchter Witterung steigt die Freisetzung deutlich an.

Ein häufiger Praxisfehler liegt im „Nachlegen“ bei scheinbar ausbleibender Wirkung. Organische Stickstoffquellen können nach Wetterumschwung plötzlich rasch freisetzen. Dann drohen weiche Triebe, erhöhte Blattlausanfälligkeit und schlechtere Ausreife. Für die Steuerung hilft ein Blick auf Standort und Material: fein vermahlene Produkte setzen schneller um als grobe, frische Mulche können kurzfristig Stickstoff binden.

  • Mineralisierung: Umwandlung organisch gebundener Nährstoffe in pflanzenverfügbare Ionen wie NH4+ und NO3-; beschleunigt bei warmem, feuchtem, gut durchlüftetem Boden.
  • Immobilisierung: Vorübergehende Bindung von Stickstoff durch Mikroorganismen, typisch bei kohlenstoffreichem Mulch (z. B. Stroh, holziges Häckselgut) mit hohem C:N-Verhältnis.
  • Nitrifikation: Oxidation von NH4+ zu NO3-; steigt bei neutralen pH-Werten, sinkt in stark sauren Böden und bei Sauerstoffmangel.
  • Mykorrhiza und Feinwurzelraum: Pilzpartner verbessern die Erschließung von Phosphor und Spurenelementen; Störungen durch häufiges Hacken im Wurzelbereich reduzieren den Effekt.

pH-Wert: Verfügbarkeit von Nährstoffen und artspezifische Toleranzen

Der pH-Wert steuert, welche Nährstoffe löslich sind und wie aktiv Mikroorganismen arbeiten. In stark sauren Böden sinkt die Verfügbarkeit von Phosphor und Molybdän, während Mangan und Aluminium stärker in Lösung gehen können. In alkalischen Böden werden Eisen, Mangan, Zink und Phosphor leichter festgelegt; Chlorosen sind dann wahrscheinlicher. Bei organischer Düngung wirkt der pH-Wert zusätzlich über die Mineralisierung: viele Umsetzungsprozesse laufen in schwach sauren bis neutralen Bereichen stabiler ab.

Für Beerensträucher gelten keine starren Einheitswerte, doch typische Spannweiten lassen sich ableiten. Johannisbeeren wachsen meist in schwach sauren bis neutralen Böden zuverlässig, Himbeeren bevorzugen eher schwach sauer, Brombeeren tolerieren häufig etwas höhere pH-Werte, solange die Eisenversorgung stimmt. Vor einer Korrektur mit Kalk oder sauren Materialien ist eine Bodenanalyse sinnvoll, weil Überkorrekturen die Spurenelementverfügbarkeit verschlechtern können.

pH-Bereich (CaCl₂/vergleichbar)Typische Wirkung auf organische Düngung und Nährstoffverfügbarkeit
< 5,0 (stark sauer)Langsamere Nitrifikation; Phosphor tendenziell schlechter verfügbar; Risiko erhöhter Mn-Verfügbarkeit, je nach Boden.
5,0–6,5 (schwach sauer)Gute Balance für viele Beerenstandorte; stabile Mineralisierung; Spurenelemente meist ausreichend verfügbar.
6,5–7,2 (neutral)Hohe mikrobielle Aktivität; bei hohen P-Gehalten kann Phosphor stärker fixiert werden; Eisenchlorosen auf Kalkböden möglich.
> 7,2 (alkalisch/kalkreich)Erhöhtes Risiko für Fe-, Mn- und Zn-Mangel; organische Düngung hilft über Chelatbildung, ersetzt aber keine Standortkorrektur.

Humus, Kationenaustausch und Wasserhaushalt

Humus wirkt als Nährstoffspeicher und Puffer: Ton-Humus-Komplexe binden Kalium, Magnesium, Calcium und Ammonium und geben sie bedarfsgerecht wieder ab. In sandigen Böden mit geringer Austauschkapazität verbessert zusätzlicher Humus die Nährstoffhaltefähigkeit deutlich und senkt das Risiko, dass Nitrat nach Starkregen verlagert wird. Gleichzeitig stabilisiert Humus die Krümelstruktur, fördert Poren für Luft und Wasser und unterstützt damit die Wurzelaktivität der Beerensträucher.

Kompostgaben wirken in erster Linie struktur- und humusbildend, weniger als kurzfristiger Stickstoffschub. Die Nährstoffgehalte sind moderat und schwanken je nach Ausgangsmaterial. Hornspäne und Hornmehl liefern dagegen vor allem Stickstoff; sie bauen kaum Humus auf und profitieren deshalb von der Kombination mit reifem Kompost oder einer dünnen Mulchschicht, die das Bodenleben kontinuierlich füttert.

Praktische Stellschrauben für verlässliche organische Wirkung

Für eine berechenbare Nährstofffreisetzung zählt weniger die „Menge auf einmal“ als die Passung von Material, Zeitpunkt und Bodenzustand. Früh im Jahr wirken schneller umsetzbare Quellen (feiner Kompost, Hornmehl) eher, während grobe organische Materialien als Mulch langfristig Struktur und Bodenleben stärken. Gleichmäßige Bodenfeuchte ist für Mikroorganismen zentral; staunasse, verdichtete Böden bremsen die Umsetzung und verschlechtern die Wurzelleistung.

  • Materialfeinheit steuert Tempo: Hornmehl setzt schneller um als Hornspäne; grober Mulch wirkt primär als Bodenpflege und erst sekundär als Nährstoffquelle.
  • Mulch richtig wählen: Holziges Häckselgut nur dünn und idealerweise auf bereits gut versorgten Böden; bei N-Mangelrisiko mit reifem Kompost oder einer moderaten Gabe organischen N kombinieren.
  • Boden nicht überreizen: Übermäßiges Einarbeiten und häufiges Hacken zerstört Aggregatstabilität und Feinwurzeln; besser flach arbeiten oder mulchen.
  • Kalk mit Diagnose: pH-Anhebung nur nach Analyse und bodenartspezifisch; auf kalkreichen Standorten keine pauschalen Kalkgaben, um Spurenelementmängel nicht zu verschärfen.

Düngezeitpunkte und Nährstoffbedarf im Jahreslauf: Austrieb, Blüte, Fruchtbildung und Holzreife

Beerensträucher reagieren deutlich auf den Zeitpunkt der Nährstoffgabe. Im Jahreslauf verschiebt sich der Bedarf: Zu Vegetationsbeginn dominiert Stickstoff für Blatt- und Triebwachstum, rund um Blüte und Fruchtbildung steigen die Anforderungen an Kalium sowie an eine kontinuierliche Versorgung mit Magnesium und Spurenelementen, während zur Holzreife eine zu späte Stickstoffgabe die Ausreife bremst und die Frosthärte mindert. Organische Dünger wirken zeitverzögert, da Bodenorganismen die Nährstoffe erst mineralisieren; deshalb entscheidet die Vorlaufzeit über den Erfolg.

Austrieb (Spätwinter bis frühes Frühjahr): Startdüngung mit Vorlauf

Zwischen dem Ende strenger Fröste und dem beginnenden Austrieb entsteht der größte Bedarf an gut verfügbarem Stickstoff. Bei Johannisbeeren und Brombeeren wird in dieser Phase der Grundstein für Triebzahl, Blattmasse und Blütenanlagen gelegt. Himbeeren unterscheiden sich stärker: Sommerhimbeeren treiben früh aus den überwinterten Ruten aus, während Herbsthimbeeren ihre Haupttriebe erst später schieben; entsprechend lässt sich die erste Gabe bei Herbsthimbeeren etwas weiter nach hinten legen.

Kompost und Hornspäne passen in diese Phase, weil sie über Wochen Nährstoffe freisetzen und gleichzeitig das Bodenleben fördern. Entscheidend bleibt die Dosierung: Zu hohe Stickstoffmengen führen zu langen, weichen Trieben, erhöhter Blattlausanfälligkeit und geringerer Standfestigkeit, insbesondere bei Himbeeren.

  • Kompost als Basis: Reifer, krümeliger Kompost wird oberflächlich in die Mulchschicht eingearbeitet, ohne die Wurzeln zu verletzen; Ziel ist vor allem Humus- und Mikrobiologieaufbau, nicht eine „schnelle“ N-Gabe.
  • Hornspäne für Stickstoff: Hornspäne wirken langsam; eine Ausbringung vor dem Austrieb deckt den Bedarf in der Hauptwachstumsphase besser ab als späte Gaben.
  • Beerendünger organisch-mineralisch: Bei schwachem Wuchs kann ein ausgewiesener Beerendünger eine planbarere Anfangsversorgung liefern; die Etikettangaben zur Aufwandmenge werden strikt eingehalten, um Salzstress zu vermeiden.

Blüte (Frühjahr): Nährstofffluss stabil halten, nicht „nachheizen“

Zur Blüte verschiebt sich der Schwerpunkt von reinem Wachstum hin zu Energie- und Wasserhaushalt. Kalium unterstützt die Regulation der Spaltöffnungen und die Assimilatverlagerung, Magnesium bleibt zentral für die Chlorophyllbildung. Eine zusätzliche, kräftige Stickstoffgabe in die Blüte hinein fördert vor allem vegetatives Wachstum und kann die Fruchtansätze indirekt schwächen.

In dieser Phase ist die Pflege des Bodenlebens oft wirksamer als das Nachdüngen: gleichmäßige Bodenfeuchte, eine dünne Mulchschicht und lockere, nicht verdichtete Oberböden fördern die Mineralisierung. Bei sehr leichten Sandböden kann eine kleine, organische Nachgabe sinnvoll sein, jedoch nur, wenn zuvor Mangelzeichen oder schwacher Austrieb erkennbar waren.

Fruchtbildung und Ernte (spätes Frühjahr bis Sommer): Kaliumfokus, Stickstoff zurücknehmen

Während der Fruchtfüllung steigt der Kaliumbedarf deutlich. Kalium beeinflusst Fruchtgröße, Festigkeit und Zuckertransport; zu wenig Kalium zeigt sich häufig als schwache Fruchtentwicklung und erhöhte Trockenstress-Symptome. Stickstoff bleibt in moderatem Maß nötig, sollte aber nicht dominieren, weil sonst die Fruchtqualität leidet und Triebe verspätet ausreifen. Johannisbeeren reagieren vergleichsweise empfindlich auf ein Übermaß an Stickstoff mit starkem Blattwuchs und weicheren Trieben; Brombeeren verkraften etwas mehr Wuchs, zeigen bei Überversorgung jedoch ebenfalls spätere Holzreife.

PhaseNährstoffschwerpunktGeeignete organische MaßnahmeTypischer Fehler
AustriebStickstoff (maßvoll), GrundversorgungKompost + Hornspäne mit VorlaufZu späte, hohe N-Gaben → weiche Triebe
BlüteStabiler Nährstofffluss, Mg/K im BlickMulch/Feuchtemanagement statt Nachdüngen„Nachheizen“ mit N → vegetativer Überschuss
FruchtbildungKalium, Wasserhaushalt, MgKaliumbetonter Beerendünger nach EtikettEinseitig N-lastig → Fruchtqualität sinkt
HolzreifeStickstoff reduzieren, Ausreife fördernKeine N-Düngung mehr, nur BodenpflegeSpäte N-Gaben → Frostempfindlichkeit

Holzreife (Spätsommer bis Herbst): Düngestopp für Stickstoff, Augenmerk auf Ausreife

Nach der Ernte müssen Ruten und Strauchholz ausreifen. Stickstoffgaben in dieser Zeit verzögern die Lignifizierung, fördern spätes, wasserreiches Gewebe und erhöhen das Risiko von Frostschäden sowie von Triebkrankheiten. Organische Stickstoffdünger sind hier besonders kritisch, weil ihre Wirkung zeitversetzt einsetzt und bis in kühle Herbstwochen reichen kann.

Himbeeren profitieren von der klaren Trennung zwischen Ernte und Schnittsystem: Bei Herbsthimbeeren wird der N-Bedarf stärker in die erste Saisonhälfte gelegt, weil die Fruchtbildung auf einjährigen Trieben erfolgt; bei Sommerhimbeeren endet die stickstoffbetonte Versorgung früh, damit die neuen Jungruten rechtzeitig ausreifen. Johannisbeeren und Brombeeren werden nach der Ernte vor allem über Bodenstruktur, Mulch und moderate Kompostgaben im Spätherbst unterstützt, ohne die Stickstofffreisetzung anzuschieben.

  • Späte Stickstoffgaben vermeiden: Ab dem Ende der Hauptfruchtbildung keine Düngung mit starkem N-Anteil (z. B. frischer Mist, hohe Mengen Hornmehl) einplanen.
  • Kalium nicht überziehen: Kaliumbetonte Produkte nur bei realistischem Bedarf einsetzen; Überversorgung kann die Magnesiumaufnahme behindern und Blattaufhellungen begünstigen.
  • Bodenaktivität sichern: Mulchschicht und gleichmäßige Feuchte stabilisieren die Nährstoffnachlieferung aus dem Boden, ohne eine späte Wachstumswelle auszulösen.

Artenvergleich und Praxis: Johannisbeere vs. Himbeere vs. Brombeere – geeignete organische Dünger, Dosierung und typische Fehler

Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren reagieren deutlich unterschiedlich auf Nährstoffangebot, Düngerrhythmus und Stickstoffform. Organische Dünger wirken dabei nicht „auf Knopfdruck“: Nährstoffe werden erst durch Bodenorganismen mineralisiert. Deshalb entscheidet neben der Menge vor allem der Zeitpunkt, ob Triebwachstum, Blüte, Fruchtqualität und Winterhärte in ein sinnvolles Gleichgewicht kommen.

Johannisbeere: moderat düngen, Kalium für Frucht und Holzreife einplanen

Johannisbeeren gelten als vergleichsweise genügsam. Zu viel Stickstoff fördert lange, weiche Jahrestriebe, erhöht die Anfälligkeit für Blattläuse und verschiebt die Reife. Im Hausgarten reicht in der Regel eine frühe Gabe aus, ergänzt durch kaliumbetonte organische Komponenten, wenn die Bodenversorgung niedrig ist oder die Pflanzen stark tragen. Kompost liefert neben Nährstoffen vor allem stabile organische Substanz, die das Bodenleben aktiviert und die Wasserführung verbessert.

Praxisnah bewährt sich eine Kombination aus reifem Kompost als Grunddüngung und einer kleinen Ergänzung mit langsam wirkenden Hornprodukten, sofern der Zuwachs im Vorjahr schwach ausfiel. Eine zweite Stickstoffgabe nach dem Fruchtansatz sollte bei Johannisbeeren die Ausnahme bleiben; wichtiger ist eine ausreichende Kaliumversorgung für Beerenqualität und Holzreife bis zum Herbst.

Himbeere: stickstoffsensibel, aber ertragsorientiert – timing entscheidet

Himbeeren benötigen für den Aufbau der Ruten und den Ertrag mehr Stickstoff als Johannisbeeren, reagieren jedoch empfindlich auf Überversorgung. Zu hohe N-Gaben verlängern das Triebwachstum, verzögern die Ausreife und begünstigen weiche, krankheitsanfällige Gewebe. Besonders bei schweren Böden und dichter Mulchschicht kann die Mineralisierung sprunghaft erfolgen; dann steigt die Gefahr, dass viel Stickstoff zu spät im Jahr verfügbar wird.

Organisch sinnvoll ist eine gestaffelte Strategie: eine Hauptgabe im zeitigen Frühjahr und – nur bei deutlichem Bedarf – eine kleinere Ergänzung bis spätestens kurz nach der Ernte bei Sommerhimbeeren. Bei Herbsthimbeeren sollte die Hauptversorgung früh erfolgen, damit die Nährstoffe während des starken Sommerwachstums tatsächlich zur Verfügung stehen. Kalium unterstützt Standfestigkeit und Fruchtqualität; Magnesium wird bei sandigen Böden oder bei sichtbar heller Blattfarbe zwischen den Blattadern relevanter.

Brombeere: kräftiger Wuchs, höherer Kaliumbedarf – Stickstoff nicht überziehen

Brombeeren wachsen stark und können bei guter Wasserversorgung hohe Erträge liefern. Gleichzeitig kippt das Verhältnis schnell, wenn Stickstoff dominiert: Dann entstehen lange, mastige Ruten mit höherem Krankheitsdruck und schlechterer Winterhärte. Im Vergleich zu Himbeeren ist eine etwas robustere Grundversorgung möglich, jedoch mit klarer Priorität auf Kalium und organischer Substanz. Kalium wirkt hier nicht nur auf Fruchtgröße und Aroma, sondern auch auf die Festigkeit der Triebe.

Reifer Kompost und kaliumbetonte organische Beerendünger (ohne stark lösliche N-Spitzen) passen gut. Hornmehl oder Hornspäne sollten nur ergänzen, wenn der Austrieb schwach bleibt oder die Blattfarbe früh im Jahr deutlich blass wirkt. Späte Stickstoffgaben nach Mitte Sommer sind bei Brombeeren besonders riskant, weil sie die Ausreife der Ruten bremsen.

BeerenartOrganische Düngung (Praxisrahmen)Typische Überdüngungsfolge
Johannisbeere1× im Frühjahr: 2–5 l reifer Kompost pro Strauch; bei Bedarf 30–60 g Hornspäne als Ergänzung; kaliumbetonte Komponenten nur bei nachgewiesenem MangelZu viel N: lange, weiche Triebe, mehr Blattläuse, verzögerte Holzreife
HimbeereFrühjahr: 3–6 l Kompost pro laufendem Meter Reihe; optional 40–80 g Hornspäne/m Reihenmeter bei schwachem Wuchs; zweite Gabe nur früh und bedarfsabhängigZu viel N: starkes Blattwachstum, weichere Ruten, höhere Pilzanfälligkeit, weniger Aroma
BrombeereFrühjahr: 4–8 l Kompost pro Pflanze; ggf. 50–100 g Hornspäne; Schwerpunkt auf kaliumbetonten organischen Beerendüngern bei hohem ErtragSpäte N-Gaben: mastige Ruten, geringe Winterhärte, Qualitätsverlust der Früchte

Geeignete organische Dünger und Dosierung: Auswahl nach Wirkung und Boden

Kompost eignet sich als Basis, weil er Nährstoffe in moderaten Mengen liefert und die mikrobielle Aktivität stabilisiert. Hornspäne wirken langsam und passen, wenn eine verlässliche, nicht schlagartige Stickstoffnachlieferung gefragt ist. Organische Beerendünger (meist pelletiert) sind hilfreich, wenn eine definiertere Nährstoffrelation benötigt wird; entscheidend ist ein ausgewogenes N:K-Verhältnis ohne hohe schnell lösliche Anteile. Mulch aus Rasenschnitt oder Laub zählt zwar nicht als Dünger, beeinflusst aber die Stickstoffdynamik: Stark kohlenstoffreiche Mulche (z. B. Holzhäcksel) können anfangs Stickstoff binden, was vor allem Himbeeren sichtbar schwächt.

  • Kompostgabe: Reifer, krümeliger Kompost als 2–3 cm dünne Schicht im Wurzelbereich ausbringen, nicht an den Trieben anhäufen; anschließend flach einarbeiten oder mit Mulch abdecken.
  • Hornspäne statt „N-Schock“: Bei Bedarf im Frühjahr oberflächlich einarbeiten; als Richtwert 30–60 g/Strauch (Johannisbeere) bzw. 40–80 g/m (Himbeere) bzw. 50–100 g/Pflanze (Brombeere), abhängig von Bodenhumus und Wuchsstärke.
  • Beerendünger (organisch, pelletiert): Herstellerdosierung als Obergrenze verstehen; bei humosen Böden und regelmäßiger Kompostgabe eher 20–40 % darunter bleiben, um überhöhte N-Gehalte zu vermeiden.
  • Kalium gezielt, nicht pauschal: Bei schwacher Fruchtqualität trotz guter Wasserversorgung und unauffälligem Stickstoffwachstum eher an Kalium denken; organische, kaliumbetonte Mischdünger bevorzugen, keine wiederholten Gaben ohne Bodenanalyse.

Typische Fehler in der Praxis: Überdüngung, falscher Zeitpunkt, falsche Erwartungen

Der häufigste Fehler ist die Interpretation von „viel Grün“ als Gesundheitssignal. Bei Beerensträuchern gilt eher das Gegenteil: Übermäßiger Wuchs kostet Blütenansatz und Fruchtqualität und erhöht den Krankheitsdruck. Ebenfalls verbreitet ist das Düngen auf kalten Böden im sehr frühen Frühjahr, wenn die Umsetzung organischer Dünger noch stockt; die Wirkung tritt dann verspätet ein und fällt ungünstig in eine Phase, in der die Pflanzen bereits ausreifen sollten.

  • Späte Stickstoffgaben: Nach der Hauptwachstumsphase ausgebrachter N (z. B. späte Gaben von Hornmehl oder stark N-betonten Pellets) verzögert die Holzreife, besonders bei Brombeeren und Johannisbeeren.
  • „Mehr hilft mehr“ bei Beerendünger: Wiederholte Volldosierungen trotz Kompost- und Mulchmanagement führen zu N-Überschuss, weichen Trieben und geschmacklich flacheren Früchten.
  • Frischer Mist oder unreifer Kompost: Unreife Materialien können Salz- und Ammoniakspitzen verursachen und das Wurzelmilieu stören; Beeren reagieren darauf mit Wachstumsstockungen oder Blattschäden.
  • Mulch ohne Ausgleich: Dicke Schichten aus Holzhäcksel oder Rindenmulch ohne begleitende, moderat stickstoffhaltige Grunddüngung binden anfangs N und schwächen vor allem Himbeeren sichtbar.

Für die Feinabstimmung zählt weniger die „Standardmenge“ als die Kombination aus Vorjahreswuchs, Ertragsniveau und Bodentyp. Schwache Trieblängen und blasse Blattfarbe im Frühjahr sprechen eher für eine vorsichtige N-Ergänzung; kräftige, lange Triebe bei gleichzeitig geringer Fruchtqualität deuten dagegen häufig auf Stickstoffüberschuss und relativ zu wenig Kalium hin. Organische Düngung bleibt am zuverlässigsten, wenn sie mit sparsamen, gut terminierte Gaben arbeitet und das Bodenleben als Taktgeber akzeptiert.

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