Staunässe im Garten: Woran sie liegt und wie Sie dauerhaft nasse Stellen beheben

Dauerhaft nasse Gartenbereiche sind mehr als ein optisches Problem: Rasen lückig, Beete verschlammt, Pflanzen kümmern, Wege werden rutschig und im Boden fehlt Luft für Wurzeln und Bodenleben. Häufig entsteht Staunässe, weil Wasser nach Regen oder Bewässerung nicht in tiefere Schichten versickern kann oder weil es sich an verdichteten Lagen staut. Auch Grundstücksform, Oberflächengefälle, Dach- und Wegeentwässerung sowie ein hoher Grundwasserstand spielen eine Rolle. Wer Staunässe beheben will, muss zuerst klären, ob das Wasser von oben kommt und im Oberboden „steht“, ob es seitlich zuläuft oder ob es von unten drückt. Daraus ergibt sich, ob eine gezielte Bodenverbesserung ausreicht, ob bauliche Maßnahmen wie Drainage oder Umleitung von Wasser nötig sind oder ob eine standortangepasste Bepflanzung die sinnvollere, wartungsarme Lösung ist.

Staunässe diagnostizieren: Versickerung, Verdichtung, Grundwasser und Wasserzufluss systematisch prüfen

Staunässe lässt sich nur dauerhaft beheben, wenn die Wasserquelle und der hemmende Faktor im Boden getrennt betrachtet werden: Wie viel Wasser kommt an, wohin soll es abfließen, und was verhindert die Versickerung? Eine saubere Diagnose beginnt deshalb mit einer Bestandsaufnahme nach Niederschlägen: Wo stehen Pfützen länger als 24–48 Stunden, wo werden Wege schmierig, wo zeigen Pflanzen Vergilbung oder Wurzelfäule. Danach folgt eine Prüfung in vier Schritten: Versickerung, Verdichtung, Grundwasser und Zufluss von außen.

Versickerung prüfen: Infiltrationstest und Bodenprofil

Die Versickerungsleistung entscheidet, ob Regenwasser im Oberboden abgebaut wird oder sich als Stauwasser über einer dichten Schicht sammelt. Ein einfacher Infiltrationstest liefert praxisnahe Hinweise: Ein etwa spatenbreites Loch wird 30–40 cm tief ausgehoben, die Seiten werden nicht verschmiert, anschließend wird das Loch einmal vollständig gewässert (Vornässen) und danach erneut mit definierter Wassermenge gefüllt. Sinkt der Wasserspiegel auch nach der Vornässung nur sehr langsam, spricht das für geringe Makroporenanteile (hoher Ton-/Schluffanteil) oder eine Sperrschicht.

Ergänzend lohnt der Blick ins Profil: Ab etwa 20–40 cm Tiefe findet sich in vielen Gärten eine verdichtete Bau- oder Bearbeitungsschicht. Typisch sind abrupt wechselnde Farben, rostige Flecken (Redoxmuster) und ein plötzlicher Übergang zu sehr festem Material. Steht Wasser im Loch, ohne dass oberflächlich Regen nachläuft, liegt die Ursache meist in mangelnder Durchlässigkeit oder hohem Grundwasser, nicht primär im Oberflächengefälle.

  • Infiltration: Nach Vornässen gilt als Warnsignal, wenn der Wasserspiegel über Stunden kaum sinkt und sich das Loch „voll“ anfühlt.
  • Profilhinweise: Schmierige Spatenwände, plattige Struktur, graubläuliche Zonen oder rostige Sprenkel deuten auf Sauerstoffmangel und zeitweise Sättigung.
  • Textur grob einordnen: Ein Boden, der sich zu stabilen Würsten rollen lässt und glänzend schmiert, enthält meist viel Ton; sandige Böden rieseln und formen nur kurz.

Verdichtung erkennen: Trittspuren, Werkzeugtest, Regenverhalten

Verdichtung ist im Garten eine der häufigsten Ursachen für Staunässe, besonders nach Baumaßnahmen, häufigem Befahren (Schubkarre, Rasenmähertraktor) oder Bearbeitung bei Nässe. Verdichtete Zonen leiten Wasser seitlich ab, statt es in die Tiefe zu führen. Auffällig sind dauerhaft nasse Streifen entlang von Wegen, an Grundstücksgrenzen oder dort, wo Material gelagert wurde. Auch wenn sich der Oberboden trocken anfühlt, kann darunter eine dichte Lage wie eine Wanne wirken.

Praktisch bewährt hat sich der Vergleich mehrerer Stellen: Der Spaten sticht in lockeren Bereichen gleichmäßig ein; in verdichteten Bereichen „springt“ er auf einer Tiefe ab oder es entstehen plattige, scharfkantige Soden. Ein Metallstab (z. B. Baustahl) zeigt ebenfalls, ob eine harte Schicht bereits bei 15–30 cm beginnt. Entscheidend ist die räumliche Ausdehnung: Ein lokales Problem lässt sich oft bodenbaulich beheben, eine flächige Verdichtung erfordert häufig strukturelle Änderungen in Bewirtschaftung oder Aufbau.

Beobachtung im Garten Wahrscheinliche Deutung für die Diagnose
Pfützen entstehen schnell, Wasser verschwindet nur langsam, Boden schmiert Feinporiger Boden (Ton/Schluff) und/oder Verdichtung; geringe Infiltration
Nasse Zone als klarer Streifen entlang Weg, Einfahrt oder Baukante Lokale Verdichtung oder Sperrschicht durch Bauarbeiten
Wasser steht auch ohne Regen im Testloch, Niveau bleibt konstant Grundwasser nah an der Oberfläche oder aufstauendes Schichtenwasser
Nässe kommt hangseitig, tritt als Sickerlinie aus, sammelt sich tiefer Seitlicher Wasserzufluss (Hangwasser), ggf. konzentriert durch harte Flächen

Grundwasser vs. Stauwasser: Unterscheidung über Zeit und Pegel

Für die Wahl der Maßnahme ist entscheidend, ob Wasser von unten drückt (Grundwasser) oder sich von oben aufstaut (Stauwasser über Sperrschicht). Grundwasser zeigt sich häufig als lang anhaltend hoher Wasserstand im Testloch, auch nach trockenen Tagen, mit nur geringer Reaktion auf einzelne Regenereignisse. Stauwasser hingegen steigt nach Niederschlag deutlich an und fällt wieder, sobald Oberboden und Sperrschicht langsam durchlässig werden oder seitlich ablaufen.

Hilfreich ist eine mehrtägige Beobachtung an zwei Zeitpunkten: einmal nach Regen, einmal nach einer trockenen Phase. Bleibt die Zone trotzdem nass und kalt, kann zusätzlich ein hoher kapillarer Aufstieg aus bindigen Untergründen eine Rolle spielen. In solchen Fällen bringt tieferes „Auflockern“ ohne geregelte Ableitung oft wenig, weil der Wasserüberschuss nicht verschwindet, sondern nur in den Boden verteilt wird.

Wasserzufluss systematisch prüfen: Gefälle, harte Flächen, Dach- und Drainagewasser

Staunässe wird häufig durch zusätzlichen Zufluss ausgelöst oder verstärkt. Neben natürlichem Hangwasser zählen dazu ablaufendes Wasser von Terrassen, Einfahrten und verdichteten Rasenflächen sowie konzentrierte Einleitungen aus Fallrohren. Auch defekte oder ungünstig geführte Entwässerungen können Wasser in die Fläche drücken. Eine Diagnose sollte deshalb die Einzugsflächen mitdenken: Kleine Senken sammeln Wasser aus einem überraschend großen Bereich.

Für die Praxis genügt oft eine Kartierung bei Starkregen: Fließwege markieren, Einlaufpunkte (Fallrohr, Sickerschachtüberlauf, Randsteine) notieren und prüfen, ob Wasser an einer Stelle „angestaut“ wird, etwa durch Beeteinfassungen, Rasenkanten oder abgesackte Wege. Ein einfacher Schlauchtest (kontrollierter Zufluss) kann Regen simulieren und macht sichtbar, ob Wasser aus einer Richtung nachströmt oder lokal stehen bleibt.

  • Gefälle lesen: Fließwege nach Starkregen durch Schlammspuren und abgelagerte Pflanzenreste erkennen; diese markieren und mit einfachen Höhenpunkten (Schnurwasserwaage) gegenprüfen.
  • Harte Flächen prüfen: Abfluss von Terrasse, Einfahrt und verdichteten Laufwegen verfolgen; besonders kritisch sind Kanten, die Wasser in Beete drücken.
  • Dachwasser lokalisieren: Fallrohrausläufe, Rigolen und Überläufe kontrollieren; ein dauerhaft feuchter Streifen kann auf Leckagen oder fehlende Versickerungskapazität hindeuten.
  • Grenzen und Nachbarflächen: Hangseitige Grundstücksgrenzen auf Sickerlinien und austretendes Wasser prüfen; bei konzentriertem Zufluss ist eine Ableitung oft wirksamer als reine Bodenverbesserung.

Böden verbessern und Wasserinfiltration erhöhen: Sand, Kompost, Strukturmaterial, Tiefenlockerung und Pflegefehler vermeiden

Staunässe entsteht häufig nicht durch „zu viel Regen“, sondern durch einen Bodenaufbau, der Wasser schlecht aufnimmt oder es in einer verdichteten Schicht staut. Ziel der Bodenverbesserung ist deshalb eine stabile Krümelstruktur mit zusammenhängenden Grobporen für die Versickerung und ausreichend Feinporen für die Wasserspeicherung. Maßnahmen sollten sich am Bodentyp, an der Tiefe der Verdichtung und an der Nutzung (Rasen, Beet, Gehölzfläche) orientieren.

Sand richtig einsetzen: Körnung, Dosierung und typische Fehlannahmen

Sand verbessert die Infiltration nur dann, wenn er als strukturstabile Grobfraktion wirkt. Entscheidend ist eine geeignete Körnung: Sehr feiner Sand kann Poren verstopfen, während zu grober Sand in bindigen Böden punktuell entmischt. In lehmigen und tonigen Böden funktioniert Sand am besten in Kombination mit organischer Substanz, weil erst die Krümelbildung und die biologische Aktivität dauerhafte Poren schafft.

Als grobe Orientierung gilt: Für eine spürbare Änderung der Textur sind hohe Mengen nötig, die im Garten oft nur im Oberboden und auf Teilflächen realistisch sind. Kleinmengen „zum Untermischen“ verändern bei stark bindigen Böden meist nur wenig; sinnvoller ist dann eine Mischung aus Kompost, strukturreichem Material und gezielter Lockerung, um den Wasserweg zu öffnen.

Material Wirkung auf Wasserhaushalt und Struktur
Gewaschener Quarzsand (0,5–2 mm) Erhöht den Grobporenanteil im Oberboden, fördert Infiltration; Wirkung deutlich erst bei kräftiger Einarbeitung und Kombination mit Humus.
Kompost (reif, krümelig) Stärkt Krümelstruktur, verbessert Wasseraufnahme und -speicherung, fördert Bodenleben; zu frischer Kompost kann Stickstoff binden und sollte vermieden werden.
Rindenhumus/holzige Bodenverbesserer Lockert kurzfristig, kann auf sehr nassen Standorten Sauerstoffmangel nicht lösen; hohe C/N-Verhältnisse können Nährstoffdynamik beeinflussen.
Feinkies/Splitt (2–8 mm) Kann Struktur stabilisieren, ersetzt aber keine Drainage; bei falscher Schichtung entsteht leicht ein Stauhorizont an Materialgrenzen.

Kompost und Strukturmaterial: Krümelstabilität statt kurzfristiger „Lockerheit“

Reifer Grüngut- oder Gartenkompost zählt zu den wirksamsten Bausteinen gegen verschlämmende Oberflächen. Huminstoffe und mikrobielle Klebstoffe stabilisieren Aggregate, Regen trifft auf eine rauere Oberfläche und Wasser findet schneller Porenanschlüsse. Besonders in Bereichen mit Trittbelastung oder mit häufigem „offenem Boden“ (Gemüsebeete, Wechselkulturen) verhindert eine humusgeprägte Krume die Bildung einer dichten Schlämmkruste.

Strukturmaterial (häckselige, faserige Anteile) kann zusätzlich helfen, sollte jedoch nicht als Ersatz für eine funktionierende Porenverbindung in die Tiefe missverstanden werden. In dauerhaft nassen Zonen verrottet grobes Material langsamer; fehlender Sauerstoff begrenzt den Nutzen. Dort ist die Kombination aus Oberbodenaufbau und Entwässerungsweg meist entscheidender als „immer mehr organische Masse“.

  • Kompostqualität: Krümelig, reif, frei von Geruch nach Ammoniak oder Fäulnis; sichtbare Grobanteile sind unkritisch, aber nicht dominant.
  • Einarbeitungstiefe: Im Beet typischerweise in die obere Spatentiefe einarbeiten, ohne eine scharfe Schichtgrenze zu erzeugen; bei stark bindigen Böden lieber in mehreren Gaben arbeiten als „eine dicke Lage“.
  • Mulch als Schutzschicht: Eine Mulchdecke reduziert Verschlämmung und bremst Oberflächenabfluss; sie ersetzt keine Lockerung, stabilisiert aber die neu aufgebaute Krume.

Tiefenlockerung und Verdichtungen lösen: Zeitpunkt, Werkzeuge, Grenzen

Staunässe wird häufig durch Verdichtungen in 15–40 cm Tiefe verstärkt: Bauarbeiten, wiederholtes Befahren, oder dauerhafte Trittbelastung erzeugen einen dichten Horizont. Eine Tiefenlockerung wirkt nur, wenn der Boden „gare“ ist. Im nassen Zustand schmiert die Struktur, Poren werden verschlossen und die Verdichtung verschlimmert sich. Im ausgetrockneten Zustand bricht der Boden ungleichmäßig, und es entstehen grobe Kluten ohne stabile Porenverbindungen.

Geeignet sind Grabegabel, Sauzahn oder Tiefenlockerer für größere Flächen. Wichtig ist das Prinzip „heben statt wenden“: Der Boden wird angehoben und gekrümelt, ohne den Oberboden tief zu vergraben. Bei ausgeprägten Stauhorizonten oder sehr schweren Tonböden stößt man ohne bauliche Entwässerung an Grenzen; eine Lockerung schafft dann nur kurzfristige Risse, die sich bei erneutem Befahren wieder schließen.

  • Arbeitsfenster: Lockern, wenn eine Handprobe zeigt, dass sich der Boden zu einer Rolle formen lässt, aber nicht schmiert und nicht glänzt; bei deutlich nassen Profilen wird verschoben.
  • Lastmanagement: Wiederholte Verdichtung vermeiden durch feste Wege, Trittplatten und das Unterlassen von Arbeiten mit Schubkarre oder Aufsitzmäher auf nassem Boden.
  • Porenkontinuität sichern: Nach Lockerung Oberboden mit Kompost und ggf. Sand strukturieren, anschließend mulchen; so bleiben neu geschaffene Poren länger offen.

Pflegefehler vermeiden: Verdichtung, Verschlämmung, falsches Gießen

Viele nasse Stellen bleiben bestehen, weil die Pflege die Ursachen immer wieder reproduziert. Häufige Fehler sind das Betreten frisch gelockerter Flächen, das Offenlassen der Bodenoberfläche über den Winter sowie das feine Krümeln der Krume ohne Schutzschicht, wodurch Starkregen die Poren rasch zusetzt. Auch Bewässerung „nach Gefühl“ kann bei schweren Böden die Durchlüftung reduzieren, weil Wasser nicht schnell genug abläuft.

Stabilität entsteht über wiederkehrende, kleine Eingriffe: organische Substanz nachführen, Oberflächen schützen, Verdichtung konsequent vermeiden und die Durchwurzelung fördern. Tiefwurzelnde Gründüngungen oder robuste Stauden können als biologische Lockerer wirken, solange Wasser grundsätzlich in die Tiefe abgeleitet werden kann und keine dauerhaft gesättigte Schicht knapp unter der Oberfläche steht.

Entscheidung und Umsetzung: Drainage, Oberflächenentwässerung, Beetaufhöhung oder standortangepasste Pflanzen je nach Befund

Die Wahl der Maßnahme folgt dem Befund: Wo steht das Wasser, wie lange bleibt es, und verhindert der Untergrund das Versickern oder fehlt ein Abflussweg? Technisch sinnvoll ist ein Vorgehen vom geringsten Eingriff (Oberfläche optimieren) bis zur baulichen Lösung (Drainage), ergänzt um Pflanzenauswahl, wenn der Standort dauerhaft feucht bleiben soll oder muss. Entscheidend ist die Abgrenzung zwischen temporärer Vernässung nach Starkregen und einem strukturellen Problem durch dichte Horizonte, Verdichtung oder eine Senke ohne Gefälle.

Entscheidungshilfe nach Befund: welche Maßnahme passt

Oberflächenwasser, das in Mulden steht, lässt sich oft über Mikrorelief und Abflussführung entschärfen. Bleibt das Wasser dagegen auch bei normaler Witterung im Wurzelraum, liegt häufig ein Versickerungshemmnis vor (verdichteter Unterboden, toniger Horizont, Schichtwasser). Eine Drainage ist nur dann fachlich gerechtfertigt, wenn das Wasser kontrolliert abgeführt werden kann, ohne Nachbarflächen zu belasten. Wo eine Ableitung nicht zulässig oder nicht möglich ist, liefert eine Beetaufhöhung mit durchlässigem Aufbau meist die robustere Lösung. In dauerhaft feuchten Bereichen kann außerdem die Umstellung auf standortangepasste Pflanzen die praktikabelste Option sein, insbesondere in Randlagen von Senken, an Dachabläufen oder in Gärten mit hohem Grundwasserstand.

Befund Priorisierte Maßnahme Hinweis zur Umsetzung
Wasser steht nur oberflächlich in einer Senke, Boden darunter ist nach 24–48 Stunden wieder krümelig Oberflächenentwässerung, Mikrorelief, Mulch- und Trittschäden reduzieren Gefälle von etwa 1–2 % zu einer Versickerungsfläche, Mulde oder Rinne herstellen; keine Ableitung auf Nachbargrundstücke
Wasser sickert langsam ab, Spatenprobe zeigt Schmierhorizont/Staunässezone Beetaufhöhung oder strukturverbessernder Aufbau; Drainage nur bei gesicherter Ableitung Wurzelraum oberhalb der Stauzone positionieren; Materialschichtung nicht abrupt, sondern übergangsweise
Dauerhaft nasser Bereich durch Hangzutritt/Schichtwasser, wiederkehrend an gleicher Linie Drainage (Sickerschlitz/Dränrohr) oder Interzeptionsgraben oberhalb; ggf. kombiniert mit Aufhöhung Einleitung nur in geeignete Versickerungseinrichtung oder zugelassenen Ablauf; Filtervlies und Filterkies gegen Verschlämmung
Hoher Grundwasserstand, Fläche bleibt saisonal sehr feucht Standortangepasste Pflanzen, flache Eingriffe, punktuelle Aufhöhung Drainage kann wirkungslos oder genehmigungspflichtig sein; Pflanzenauswahl reduziert Pflege- und Ausfallrisiko

Oberflächenentwässerung: Wasser gezielt führen statt „weggraben“

Bei oberflächlichem Wasserstau ist die Form der Fläche häufig der Auslöser: Senken, festgetretene Wege, Rasenmulden oder verdichtete Randbereiche entlang von Beeten. Hier wirkt eine Korrektur der Oberfläche schneller als tiefgreifende Bodenarbeiten. Fachlich sinnvoll ist eine Führung des Wassers zu einer Fläche, die kurzzeitig Wasser aufnehmen darf (Mulde, Rigole, Sickermulde), ohne dauerhaft zu vernässen. Gleichzeitig reduziert eine bessere Infiltration im Oberboden den Zufluss in die Problemstelle.

  • Mikrogefälle herstellen: Oberfläche so modellieren, dass sich kein „Teller“ bildet; Ziel ist ein durchgehendes Gefälle zu einer Aufnahmefläche, ohne harte Kanten, die Wasser stauen.
  • Rinnen und Mulden: Flache Mulden leiten Starkregen kontrolliert ab; eine Sickermulde funktioniert nur, wenn der Untergrund nicht dauerhaft gesättigt ist.
  • Verdichtung an Wegen entschärfen: Trittbelastete Zonen mit mineralischer Deckschicht, Trittplatten oder durchlässigem Wegaufbau stabilisieren; offene Erde neben Wegen verschlämmt sonst erneut.
  • Punktquellen trennen: Dachwasser, Kondensat oder Ausläufe nicht in empfindliche Gartenbereiche führen; falls vorhanden, Anschluss an geeignete Versickerungseinrichtung prüfen.

Beetaufhöhung: Wurzelraum über die Stauzone verlagern

Eine Aufhöhung eignet sich, wenn Staunässe im Unterboden sitzt oder wenn Drainage nicht umsetzbar ist. Entscheidend ist nicht die Höhe allein, sondern der durchlässige Aufbau im Wurzelraum und ein Übergang, der Wasser nicht an einer scharfen Materialgrenze „abperlen“ lässt. Bei sehr tonigen Böden führt reiner Sandauftrag oft zu ungleichmäßigen Schichten und kann bei falscher Mischung die Bearbeitbarkeit verschlechtern. Praktikabler ist ein strukturstabiler Oberbodenaufbau mit hohem Anteil organischer Substanz, ergänzt durch grobe mineralische Bestandteile, die Poren schaffen.

Technisch bewährt sind 20–40 cm zusätzlicher, gut strukturierter Oberboden für Stauden- und Gemüsebeete, bei stärkerem Problem auch mehr. Randbefestigungen verhindern seitliches Wegspülen, dürfen aber keinen „Wannen“-Effekt erzeugen; dafür braucht der Unterbau seitlich Kontakt zum umgebenden Boden oder definierte Abflusswege.

Drainage: nur bei klarer Ableitung und korrektem Aufbau

Drainagen lösen kein Verdichtungsproblem im Oberboden, sondern senken den Wasserspiegel im Bodenprofil, indem sie Wasser aus gesättigten Zonen abführen. Das funktioniert nur, wenn ein Gefälle vorhanden ist und ein rechtlich sowie technisch zulässiger Zielpunkt existiert (Versickerung in geeigneter Rigole, Anschluss an erlaubte Entwässerung). Ohne gesicherten Ablauf füllt sich die Dränleitung wie ein Speicher und verliert ihre Wirkung. In Bereichen mit hohem Grundwasserstand kann eine Drainage zudem kaum Absenkung bewirken oder unerwünschte Nebeneffekte verursachen.

  • Gefälle und Trasse: Dränrohre mit konstantem Gefälle verlegen; Gegen- oder Nullgefälle erzeugt Sedimentablagerungen und stehendes Wasser in der Leitung.
  • Filteraufbau: Rohr in Filterkies betten und mit Filtervlies gegen Feineintrag umhüllen; ohne Filter verschlammt die Dränschicht und verliert Durchlässigkeit.
  • Kontrolle und Spülmöglichkeit: Revisionsschächte an Richtungswechseln oder längeren Strecken vorsehen; so bleibt die Anlage wartbar, wenn Feinteile eingetragen werden.
  • Abflussziel klären: Einleitung nur in geeignete, zulässige Systeme; Einleitung auf Nachbarflächen oder in ungesicherte Mulden führt häufig zu Folgeschäden und Konflikten.

Standortangepasste Pflanzen: wenn Nässe bleibt oder gewollt ist

Wo Nässe regelmäßig auftritt oder bewusst als Regenrückhalt genutzt werden soll, reduziert eine passende Bepflanzung den Pflegeaufwand und stabilisiert den Boden. Geeignet sind Arten, die periodische Überstauung oder dauerhaft feuchte Böden tolerieren und zugleich eine hohe Wurzelmasse zur Bodenstrukturierung bilden. In Randzonen nasser Bereiche funktionieren gestufte Pflanzungen besonders gut: im Kern nassetolerant, am Übergang frischer bis mäßig trockener Standort. In solchen Konzepten ersetzt die Pflanzenwahl keine Entwässerung dort, wo Wege, Gebäude oder empfindliche Kulturen betroffen sind, sie ist jedoch eine fachlich saubere Lösung für Flächen, die nicht zwingend „trocken“ werden müssen.

Bei der Umsetzung zählt Konsistenz: Eine einzelne Maßnahme scheitert häufig an einem unveränderten Randfaktor wie Verdichtung, dauerhaftem Zufluss oder fehlendem Gefälle. Kombinationen sind oft am wirksamsten, etwa Oberflächenführung plus Beetaufhöhung, oder Drainage oberhalb eines Hangs plus nassetolerante Bepflanzung im Tiefpunkt. So bleibt der Eingriff kontrollierbar, und der Gartenbereich gewinnt an Funktion, statt nur „entwässert“ zu werden.

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